
Vielleicht wird man diesen bunten Radweg dereinst als das eigentliche Fanal einer finanzpolitischen Kehrtwende in Erinnerung behalten. Ausgerechnet viertausend Euro für Farbe auf dem Fuß- und Radweg auf der Willigisbrücke brachten die Stadt Aschaffenburg ins Schwitzen. Was wie eine skurrile Lokalposse wirkt, könnte sich als Auftakt zu einem längst überfälligen Sparkurs erweisen. Wenn selbst eine überschaubare Summe zur Zitterpartie wird, beginnt offenbar das Umdenken, das Aschaffenburg dringend braucht.
Denn während im Rathaus plötzlich um Kleckerbeträge gerungen wird, wachsen im Hintergrund die eigentlichen finanziellen Herausforderungen: eine sanierungsbedürftige Kläranlage, marode Schulgebäude, ein Klinikum mit anhaltenden Defiziten und Personalkosten in der Stadt Verwaltung, die seit Jahren aus dem Ruder laufen. Dagegen wirken viertausend Euro für Farbe fast belanglos.
Vielleicht liegt gerade darin die eigentliche Botschaft: Erst wenn eine Stadt bei kleinen Ausgaben genau hinsieht, wächst auch die Bereitschaft, die großen Kostenblöcke kritisch anzugehen. Ob aus dieser Fingerübung am Radweg tatsächlich ein konsequenter Sparkurs entsteht oder es bei Symbolpolitik bleibt, wird sich zeigen.
Leserbrief veröffentlich im August 2026 im Main-Echo.