Würzburg 2024: Ein Regenbogen-Übergang wird schwarz-rot-gold übermalt. Die Stadt stellt ihn wieder her – kurz darauf wird erneut übermalt. Bonn 2023: Deutschlandfarben auf dem Regenbogen-Zebrastreifen. Göttingen 2026: Schwarz-Rot-Gold auf der Regenbogentreppe. Arnsberg 2026: Auch dort wurde eine Regenbogentreppe wiederholt beschädigt und schließlich in Schwarz-Rot-Gold übermalt.
Der Lehrermangel ist seit Jahren Realität. Doch inzwischen fehlt nicht nur das Personal – es fehlen offenbar auch funktionierende Schulgebäude. Während Politiker über Bildungsqualität, Digitalisierung und Reformen debattieren, scheitert der Schulalltag an der banalsten Voraussetzung: einem Gebäude, in dem überhaupt vernünftig unterrichtet werden kann.
Was soll man einem Kind sagen, wenn es irgendwann erfährt: Zwei Männer haben einen Menschen mit einem Heizungsrohr und einem verbotenen Würgeholz brutal angegriffen und weiter auf ihn eingeschlagen, obwohl er bereits am Boden lag und dabei einen Knochenbruch erlitt? Und trotzdem müssen sie nicht ins Gefängnis, sondern können weiter frei herumlaufen. Ein Kind wird dann vermutlich fragen: „Warum dürfen die frei herumlaufen? Das ist doch nicht gerecht!“
Im Amateurfußball hat man sich leider schon fast daran gewöhnt, dass Schlägereien, Angriffe auf Schiedsrichter oder Gewalt nach dem Abpfiff Schlagzeilen machen. Man schüttelt den Kopf – und liest weiter.
Jetzt auch bei uns in der Region: Tiny Houses sollen künftig auf Enkelgrundstücken stehen dürfen – jenen Flächen, die Eigentümer für den Nachwuchs zurückhalten, statt sie zu bebauen. U. a. Stockstadt, Kleinkahl, Großostheim und Niedernberg machen es vor.
Bei der Diskussion um die einjährige Vollsperrung der Großostheimer Straße wegen der Erneuerung der alten Nilkheimer Eisenbahnbrücke kommt ein entscheidender Aspekt bisher zu kurz: die Auswirkungen auf den Auweg und damit auf ganz Nilkheim.
Vielleicht wird man diesen bunten Radweg dereinst als das eigentliche Fanal einer finanzpolitischen Kehrtwende in Erinnerung behalten. Ausgerechnet viertausend Euro für Farbe auf dem Fuß- und Radweg auf der Willigisbrücke brachten die Stadt Aschaffenburg ins Schwitzen.
Die Stadt Aschaffenburg hat sich über Jahre an hohe Gewerbesteuereinnahmen gewöhnt. Umso größer ist jetzt die Verunsicherung, wenn plötzlich zehn Millionen Euro fehlen. Doch statt überrascht zu sein, sollte die Stadt diese Entwicklung als Weckruf verstehen. Gute Haushaltsführung zeigt sich nicht in Boomzeiten, sondern dann, wenn die Einnahmen sinken.
Der ICE-Halt in Aschaffenburg muss bleiben. Darüber sollte es keine Diskussion geben. Unsere Region ist auf eine gute Fernverkehrsanbindung angewiesen – für Pendler, Unternehmen und Reisende.
Was mich jedoch wundert, ist die reflexhafte Ablehnung des italienischen Bahnanbieters Italo. Kaum taucht ein Wettbewerber der Deutschen Bahn auf, werden Untergangsszenarien an die Wand gemalt. Dabei hören wir seit Jahren Beschwerden über verspätete Züge, Ausfälle, hohe Preise und überfüllte Wagen.
Vielleicht sollten wir die Sache einmal anders betrachten: Wettbewerb kann auch eine Chance sein. In Italien hat Italo den Hochgeschwindigkeitsverkehr belebt und für mehr Auswahl gesorgt. Das Unternehmen steht dort für moderne Züge und einen hohen Komfortstandard.
Natürlich darf Aschaffenburg nicht zum Verlierer werden. Aber den neuen Anbieter schon vor dem ersten gefahrenen Kilometer schlechtzureden, hilft niemandem.
Wer bessere Bahnverbindungen will, sollte nicht nur über Konkurrenz sprechen, sondern auch über die Chancen, die sie mit sich bringt. Manchmal ist frischer Wind genau das, was ein festgefahrenes System braucht.
Leserbrief veröffentlich im Juli 2026 im Main-Echo.
Die Entscheidung von Oberbürgermeister Schlemmer in Aschaffenburg, im Pride Month keine Regenbogenflagge zu hissen, ist weniger ein Kulturbruch als eine Sortierungsentscheidung: Der öffentliche Raum wird stärker getrennt zwischen institutionellem Auftritt und gesellschaftlicher Beteiligung.
Die Stadt Aschaffenburg zeigt Haltung durch Handeln, nicht durch dauerhafte symbolische Bindung am Fahnenmast. Auch der Pride Month wird weiterhin unterstützt, etwa durch Veranstaltungen und Beleuchtung. Das ist nicht kühl, sondern eher klassisch gedacht.
Die Gegenreaktionen ließen erwartbar nicht lange auf sich warten. Kritiker sehen darin ein falsches Signal, manche sprechen von einem Rückschritt.
Dabei wirkt die Erregung teilweise überzogen – auch weil die Entscheidung selbst keinen Rückzug aus dem Pride Month oder Ähnlichem bedeutet. Gerade diese Unterscheidung geht in der Debatte oft unter: Die Unterstützung bleibt, nur die dauerhafte Beflaggung entfällt. Der Streit sagt am Ende weniger über Aschaffenburg aus als über den politischen Druck in der Debatte um Symboliken.
Diese Diskussion zeigt, wie stark Erwartungen an öffentliche Zeichen inzwischen geworden sind.
Leserbrief veröffentlich im Juni 2026 im Main-Echo.
Zwischen Nilkheim und Innenstadt schreibt Markus Kremer pointiert über Aschaffenburg. Hier versammelt er seine Leserbriefe aus dem Main-Echo – kritisch, humorvoll und stets mit Haltung. Lokale Debatten, Alltagswahnsinn und klare Meinungen mit Herz und Augenzwinkern.