Anwohner mit einbeziehen

Beim Gehwegparken wird Kommunalpolitik unmittelbar erfahrbar: Es geht nicht um theoretische Modelle, sondern um sehr konkrete Fragen direkt vor der eigenen Haustür. Genau deshalb ist Bürgerbeteiligung hier keine Bremse, sondern ein zentraler Bestandteil einer tragfähigen Lösung. Akzeptanz entsteht nicht durch Tempo, sondern durch Transparenz, Dialog und das ernsthafte Einbeziehen von Betroffenen und Anwohnern. Wer das vorschnell als Verzögerung abtut, verkennt, dass gute Entscheidungen Zeit, Abwägung und Rückhalt brauchen.

Unter Alt-OB Klaus Herzog wurde Bürgerbeteiligung in Aschaffenburg bewusst großgeschrieben. Viele erinnern sich daran, dass gerade das frühe Einbinden der Menschen vor Ort zu besseren und dauerhaft tragfähigen Lösungen geführt hat. Dieser Ansatz ist kein Hindernis, sondern Ausdruck von guter kommunaler Praxis. Gerade bei sensiblen Themen gilt: zuhören, erklären, abwägen und bei Bedarf nachjustieren.

Am Ende zählt die Realität vor Ort. Für viele ist das Auto unverzichtbar, gleichzeitig brauchen Fußgänger sichere und freie Wege. Ziel muss es sein, so viele Parkplätze wie möglich zu ermöglichen und zugleich ausreichend Platz auf den Gehwegen zu schaffen. Genau diesen Ausgleich muss Politik leisten – pragmatisch, nachvollziehbar und nah an den Menschen.

Aschaffenburg steht damit nicht allein. In vielen Städten zeigt sich, wie anspruchsvoll der Ausgleich zwischen Mobilitätsbedürfnissen und sicherer Nutzung des öffentlichen Raums ist. Umso wichtiger ist es, Lösungen zu entwickeln, die vor Ort tragen und langfristig funktionieren.

Leserbrief veröffentlich am 06.05.2026 im Main-Echo

Demokratie endet nicht beim Protest – sie beginnt mit Regeln, Rücksicht und Respekt

Was sich rund um die Demonstration in Aschaffenburg ereignet hat, ist mehr als eine Randnotiz – es ist ein Prüfstein für unseren Umgang miteinander in der lokalen Demokratie. Dabei spielt es keine Rolle, wie man inhaltlich zur Klinikumsfrage steht.

Rund 70 Menschen demonstrierten für den Verbleib des Klinikums im Arbeitgeberverband – ein legitimes Anliegen. Doch Demokratie endet nicht beim Protest, sie beginnt mit Regeln, Rücksicht und Respekt. Ehrenamtliche Stadträte müssen ihre Arbeit frei und ohne Druck ausüben können.

Wenn gewählte Vertreter sich ihren Weg ins Plenum durch eine Demonstration bahnen müssen, läuft etwas schief. Noch gravierender ist es, wenn dabei ein Klima entsteht, das als einschüchternd empfunden wird. Man stelle sich vor: Sitzungstag – und vor der Tür baut sich Druck auf. So darf demokratische Willensbildung nicht aussehen.

Ein Blick in die Weimarer Republik zeigt, wie gefährlich es ist, wenn Druck von der Straße in Entscheidungsräume wirkt. Die Lehre bleibt: Demokratie braucht klare Regeln.

Protest ist ein Grundrecht – doch er darf nicht dazu führen, dass demokratische Abläufe gestört werden. Gerade deshalb gibt es Auflagen für Versammlungen. Wenn ein Ort wie der Theaterplatz festgelegt wird, geschieht das aus gutem Grund. Protest ja – aber innerhalb dieser Leitplanken. Entscheidend ist eine Kultur des Respekts, nicht der Einschüchterung.

Leserbrief veröffentlich im Main-Echo im April 2026

Nähe lässt sich nicht importieren

Auffällig ist vor allem die Diskrepanz zwischen Aufwand und Wirkung im Wahlkampf. Noch nie waren so viele Plakate zu sehen, noch nie wirkte ein Amtsinhaber so präsent – und gleichzeitig so fern. Die Dauerpräsenz hatte etwas von einem letzten Kraftakt, einer letzten Patrone. Nicht Zuversicht, sondern Absicherung. Wenn politische Kommunikation zum Überangebot wird, fragt man irgendwann nicht mehr: „Warum sehe ich das so oft?“, sondern: „Warum muss ich das so oft sehen?“

Ähnlich die Social-Media-Unterstützung aus Berlin in letzter Minute. Prominenz wie Boris Pistorius oder Hubertus Heil sollte Strahlkraft entfalten, wirkte aber eher wie ein Fremdkörper. Wer Aschaffenburg nicht kennt, überzeugt vor Ort nicht. Nähe lässt sich nicht importieren.

Auch der Ton spielte eine Rolle. Der Hinweis, bei Herzing „säßen keine Rechten am Tisch“, war wohl klar gemeint, wurde aber teils als belehrend empfunden. In einer Stichwahl kann so etwas schnell kippen – von Haltung zu Haltungsschaden.

Am Ende bleibt ein leiser Faktor: die Stimmung. Und die sagte offenbar: Jetzt ist jemand anderes dran.

Vielleicht gilt: Nicht der Mai macht alles neu – manchmal reicht ein Wahlsonntag im März.

Leserbrief veröffentlich im Main-Echo am 09.04.2026

Naturschutz muss Vorrang haben

Es ist kaum zu fassen, was sich aktuell auf der Exe in Schweinheim abspielt. Ein Gebiet, das sich vom ehemaligen Truppenübungsplatz zu einem echten Naturjuwel und beliebten Rückzugsort entwickelt hat, wird durch das rücksichtlose Verhalten einiger weniger aufs Spiel gesetzt. Gerade dieses Gelände steht sinnbildlich für gelungenen Naturschutz: seltene Wildpferde und eine Landschaft, die zur Ruhe einlädt.

Umso unverständlicher ist es, dass genau dort durch illegales Böllern, Müll und das Ignorieren klarer Regeln eine Situation entstanden ist, die nicht nur fassungslos macht, sondern ernsthafte Konsequenzen haben kann. Im schlimmsten Fall gerät sogar das gesamte Zucht- und Schutzprojekt ins Wanken. Dass ein solch wertvolles Vorhaben durch derart verantwortungsloses Verhalten gefährdet wird, macht sprachlos.

Offenbar ist vielen nicht bewusst, welchen Schatz wir hier direkt vor der Haustür haben. Es kann nicht sein, dass ein einzigartiges Natur- und Artenschutzprojekt an Ignoranz und Respektlosigkeit scheitert. Dazu gehört auch, unbequeme Entscheidungen zu treffen: Der Grillplatz in unmittelbarer Nähe muss hinterfragt und im Zweifel geschlossen werden. Naturschutz muss Vorrang haben – die Exe ist ein Ort der Erholung und sollte auch so behandelt werden.

Leserbrief veröffentlicht im Main-Echo am 02./03.04.2026

Teamfähigkeit und Geduld sind gefragt

Paukenschlag in Alzenau: Peter Bloett will sein Stadtratsmandat doch nicht antreten. Bei aller Diskussion sollte man eines klar sagen: Die Arbeit im Stadtrat ist ein Ehrenamt. Wer sich dort engagiert, investiert viel Zeit und Energie für die Stadt. Dafür verdient jeder Respekt. Persönliche Bedrohungen – erst recht gegenüber Familienmitgliedern – sind eine absolute Grenzüberschreitung und durch nichts zu rechtfertigen.

Gerade bei den Finanzen in Alzenau hätte ein kritischer Blick sicher nicht geschadet. In dieser Hinsicht hatte ich mir von Herrn Bloett tatsächlich mehr erhofft. Doch seine Auftritte – sowohl in sozialen Medien als auch bei öffentlichen Diskussionen – haben eher Zweifel als Vertrauen geweckt. Vielleicht ist er ein guter Anwalt, der gewohnt ist, im Gerichtssaal hart zu argumentieren. Kommunalpolitik ist aber kein Prozess, bei dem es um Sieg oder Niederlage geht.

Im Stadtrat braucht es Teamfähigkeit, Geduld und die Bereitschaft zum Kompromiss. Genau daran schien es zu fehlen. Wer dauerhaft auf Konfrontation setzt, passt nur schwer in ein Gremium, das von Zusammenarbeit lebt. Sitzungen müssen effizient bleiben und dürfen nicht durch endlose Grundsatzdebatten oder ständige Rückfragen bis tief in die Nacht ausufern. Am Ende muss ein Stadtrat arbeitsfähig bleiben. Vielleicht ist der Rückzug deshalb für alle Beteiligten die bessere Lösung: Bye bye Bloett.

Leserbrief veröffentlicht im Main-Echo am 24.03.2026

DANKE für 5.624 Stimmen!

Dank an alle, die mich bei der Stadtratswahl mit 5.624 Stimmen unterstützt haben! Auch wenn es dieses Mal noch nicht für einen Sitz gereicht hat, bin ich sehr dankbar für das große Vertrauen.

Besonders freut mich das starke Ergebnis in Nilkheim – im schönsten Stadtteil unserer Stadt konnten wir unser Ergebnis um 6,4 % verbessern. Das zeigt mir, dass unsere Arbeit vor Ort ankommt und viele Menschen unseren Weg unterstützen.

Staus mit verkehrslenkenden Maßnahmen reduzieren

Die Idee, die Bachgaubahn wieder zum Leben zu erwecken, klingt zunächst wunderbar: Pendler könnten entspannt an Staus vorbeifahren, Lärm und Abgase würden sinken, und ein moderner Batteriezug könnte nahezu geräuschlos, nur leicht elektronisch summend, am Schönbusch vorbeigleiten – emissionsfrei, komfortabel und begleitet vom Zwitschern der Vögel. Ein Zug, der wie aus der Zukunft wirkt und Pendlerträume weckt.

Doch die Realität sieht deutlich anders aus: Viele Gleise existieren gar nicht mehr – sie wurden abgebaut und müssten erst wieder neu verlegt werden. Das ist teuer und aufwendig. Eine Reaktivierung klingt einfach, doch wer genauer hinschaut, erkennt: Kosten und Nutzen stehen in keinem Verhältnis.

Der Ausbau der Darmstädter Straße/B26 auf vier Spuren wurde damals vorgenommen, um das kommende Verkehrsaufkommen über Jahrzehnte aufnehmen zu können. Gleichzeitig sollte der Ausbau langfristig Pendler und die Anwohner von Nilkheim entlasten. Hier fehlt es jedoch noch immer an gezielten verkehrslenkenden Maßnahmen zur Steuerung des Verkehrs von der Großostheimer Straße auf die B26.

Leider bleibt die Bachgaubahn ein Wunschtraum. Wer wirklich Staus, Lärm und Abgase reduzieren will, muss heute handeln – mit verkehrslenkenden Maßnahmen, statt alten Gleisen nostalgisch hinterherzutrauern.

Leserbrief veröffentlicht im Main Echo am 03.03.2026.

Unterführung zuschütten wäre ein Rückschritt

Herr Wöber, lassen Sie uns die Sache klar einordnen: Die Aussage, in Nilkheim fahre seit 20 Jahren kein Zug mehr, entspricht nicht der Realität. Wer sich vor Ort umhört, hört die Züge – und erlebt, dass der Güterverkehr Richtung Hafen zuletzt deutlich zugenommen hat. Gleichzeitig plant der Bayernhafen ein neues Terminal, das die Nutzung der Schiene weiter verstärken wird. Für viele Anwohner ist die steigende Belastung längst Realität.

Vor diesem Hintergrund wirkt die Idee, die Unterführung zuzuschütten und durch eine Schranke zu ersetzen, wie ein Rückschritt. Ein Blick nach Stockstadt am Main zeigt vielmehr, wohin die Reise geht: Dort wünschen sich viele Bürger eine Unterführung statt einer Bahnschranke. Ein ebenerdiger Übergang würde die Großostheimer Straße zusätzlich belasten und den Verkehrsfluss ausbremsen.

Umso wichtiger ist es, dass der Brückenneubau von Maßnahmen begleitet wird, die den Lkw-Verkehr konsequent aus Nilkheim heraushalten. Andernfalls droht nach der Ruhephase des Neubaus ein böses Erwachen, wenn die Höllentore öffnen und der Schwerlastverkehr ungebremst durch den Ort donnert.

Leserbrief veröffentlicht im Main Echo am 03.03.2026.

Frohsinnstraße Aschaffenburg: Einst Prachtmeile, heute „Sorgenkind“

Ich erinnere mich an Tage, da machte die Frohsinnstraße ihrem Namen alle Ehre: lebendig, einladend, voller Charakter. Heute schmerzt jeder Spaziergang. Doch der Verfall ist kein lokales Versagen, sondern Teil eines größeren Wandels. Ein Blick auf die Zeil in Frankfurt am Main zeigt, wie selbst einstige Vorzeigemeilen an Glanz verlieren, Traditionsgeschäfte verschwinden und Leerstand zunimmt.

Der Onlinehandel hat gesiegt; Bequemlichkeit zieht Kaufkraft aus den Innenstädten. Mehr Grün, Events oder niedrigere Mieten lindern Symptome, lösen aber nicht das Kernproblem: ein verändertes Konsumverhalten. Runde Tische, Konzepte, Förderprogramme – vieles wurde versucht, oft mit ernüchterndem Ergebnis. Es fehlt nicht an Ideen, sondern an realistischen Perspektiven.

Vielleicht ist es klüger, die Kräfte dort zu bündeln, wo noch Frequenz und Zukunftschancen bestehen: in der Herstallstraße und in der City Galerie Aschaffenburg. Diese Orte haben weiterhin Strahlkraft und Entwicklungspotenzial.

Die Frohsinnstraße muss sich wandeln dürfen: ein gemischtes Quartier mit Arztpraxen, Wohnungen und Dienstleistungen wäre kein Scheitern, sondern ein mutiger Neuanfang. Weniger Sentimentalität, mehr Pragmatismus – nur so entstehen aus Verlusten neue Perspektiven.

Leserbrief veröffentlicht im Main Echo am 23.02.2026.

Ein Meilenstein für Aschaffenburg

Tarek Al-Wazir bezeichnet den Übergang vom Schöntal zur City-Galerie als Symbol einer autolastigen Verkehrspolitik. Diese Sicht greift jedoch zu kurz und verkennt die historische Realität. Klar ist: Die City-Galerie ist ein Kind ihrer Zeit, aber sie wurde 1974 nach intensiven Stadtratsdebatten eröffnet, bei denen Verkehrsanbindung, ausreichender Parkraum und die Erreichbarkeit für Kunden aus der gesamten Region, sogar aus Hessen, zentrale Themen waren. Parkhaus und Zufahrten für Pkw waren keine ideologische Bevorzugung des Autoverkehrs, sondern notwendige Instrumente, um das Zentrum tragfähig zu machen.

Zudem belebte die City-Galerie die Innenstadt: Fußgängerzonen rund um die Herstallstraße entstanden erst nach ihrer Eröffnung, und das Zentrum zog über fünf Jahrzehnte Handel, Gastronomie und soziale Begegnungen an. Unterirdische Übergänge dienten weniger der Autopriorisierung als dem pragmatischen Schutz der Besucher. Wer den Übergang heute als Symbol autozentrierter Planung deutet, übersieht, dass die City-Galerie ein Meilenstein für Aschaffenburg ist und bis heute eine zentrale städtebauliche und gesellschaftliche Funktion erfüllt.

Leserbrief veröffentlich am 17.02.2026 im Main-Echo.

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