



Die Idee, die Bachgaubahn wieder zum Leben zu erwecken, klingt zunächst wunderbar: Pendler könnten entspannt an Staus vorbeifahren, Lärm und Abgase würden sinken, und ein moderner Batteriezug könnte nahezu geräuschlos, nur leicht elektronisch summend, am Schönbusch vorbeigleiten – emissionsfrei, komfortabel und begleitet vom Zwitschern der Vögel. Ein Zug, der wie aus der Zukunft wirkt und Pendlerträume weckt.
Doch die Realität sieht deutlich anders aus: Viele Gleise existieren gar nicht mehr – sie wurden abgebaut und müssten erst wieder neu verlegt werden. Das ist teuer und aufwendig. Eine Reaktivierung klingt einfach, doch wer genauer hinschaut, erkennt: Kosten und Nutzen stehen in keinem Verhältnis.
Der Ausbau der Darmstädter Straße/B26 auf vier Spuren wurde damals vorgenommen, um das kommende Verkehrsaufkommen über Jahrzehnte aufnehmen zu können. Gleichzeitig sollte der Ausbau langfristig Pendler und die Anwohner von Nilkheim entlasten. Hier fehlt es jedoch noch immer an gezielten verkehrslenkenden Maßnahmen zur Steuerung des Verkehrs von der Großostheimer Straße auf die B26.
Leider bleibt die Bachgaubahn ein Wunschtraum. Wer wirklich Staus, Lärm und Abgase reduzieren will, muss heute handeln – mit verkehrslenkenden Maßnahmen, statt alten Gleisen nostalgisch hinterherzutrauern.
Leserbrief veröffentlicht im Main Echo am 03.03.2026.

Herr Wöber, lassen Sie uns die Sache klar einordnen: Die Aussage, in Nilkheim fahre seit 20 Jahren kein Zug mehr, entspricht nicht der Realität. Wer sich vor Ort umhört, hört die Züge – und erlebt, dass der Güterverkehr Richtung Hafen zuletzt deutlich zugenommen hat. Gleichzeitig plant der Bayernhafen ein neues Terminal, das die Nutzung der Schiene weiter verstärken wird. Für viele Anwohner ist die steigende Belastung längst Realität.
Vor diesem Hintergrund wirkt die Idee, die Unterführung zuzuschütten und durch eine Schranke zu ersetzen, wie ein Rückschritt. Ein Blick nach Stockstadt am Main zeigt vielmehr, wohin die Reise geht: Dort wünschen sich viele Bürger eine Unterführung statt einer Bahnschranke. Ein ebenerdiger Übergang würde die Großostheimer Straße zusätzlich belasten und den Verkehrsfluss ausbremsen.
Umso wichtiger ist es, dass der Brückenneubau von Maßnahmen begleitet wird, die den Lkw-Verkehr konsequent aus Nilkheim heraushalten. Andernfalls droht nach der Ruhephase des Neubaus ein böses Erwachen, wenn die Höllentore öffnen und der Schwerlastverkehr ungebremst durch den Ort donnert.
Leserbrief veröffentlicht im Main Echo am 03.03.2026.

Ich erinnere mich an Tage, da machte die Frohsinnstraße ihrem Namen alle Ehre: lebendig, einladend, voller Charakter. Heute schmerzt jeder Spaziergang. Doch der Verfall ist kein lokales Versagen, sondern Teil eines größeren Wandels. Ein Blick auf die Zeil in Frankfurt am Main zeigt, wie selbst einstige Vorzeigemeilen an Glanz verlieren, Traditionsgeschäfte verschwinden und Leerstand zunimmt.
Der Onlinehandel hat gesiegt; Bequemlichkeit zieht Kaufkraft aus den Innenstädten. Mehr Grün, Events oder niedrigere Mieten lindern Symptome, lösen aber nicht das Kernproblem: ein verändertes Konsumverhalten. Runde Tische, Konzepte, Förderprogramme – vieles wurde versucht, oft mit ernüchterndem Ergebnis. Es fehlt nicht an Ideen, sondern an realistischen Perspektiven.
Vielleicht ist es klüger, die Kräfte dort zu bündeln, wo noch Frequenz und Zukunftschancen bestehen: in der Herstallstraße und in der City Galerie Aschaffenburg. Diese Orte haben weiterhin Strahlkraft und Entwicklungspotenzial.
Die Frohsinnstraße muss sich wandeln dürfen: ein gemischtes Quartier mit Arztpraxen, Wohnungen und Dienstleistungen wäre kein Scheitern, sondern ein mutiger Neuanfang. Weniger Sentimentalität, mehr Pragmatismus – nur so entstehen aus Verlusten neue Perspektiven.
Leserbrief veröffentlicht im Main Echo am 23.02.2026.

Tarek Al-Wazir bezeichnet den Übergang vom Schöntal zur City-Galerie als Symbol einer autolastigen Verkehrspolitik. Diese Sicht greift jedoch zu kurz und verkennt die historische Realität. Klar ist: Die City-Galerie ist ein Kind ihrer Zeit, aber sie wurde 1974 nach intensiven Stadtratsdebatten eröffnet, bei denen Verkehrsanbindung, ausreichender Parkraum und die Erreichbarkeit für Kunden aus der gesamten Region, sogar aus Hessen, zentrale Themen waren. Parkhaus und Zufahrten für Pkw waren keine ideologische Bevorzugung des Autoverkehrs, sondern notwendige Instrumente, um das Zentrum tragfähig zu machen.
Zudem belebte die City-Galerie die Innenstadt: Fußgängerzonen rund um die Herstallstraße entstanden erst nach ihrer Eröffnung, und das Zentrum zog über fünf Jahrzehnte Handel, Gastronomie und soziale Begegnungen an. Unterirdische Übergänge dienten weniger der Autopriorisierung als dem pragmatischen Schutz der Besucher. Wer den Übergang heute als Symbol autozentrierter Planung deutet, übersieht, dass die City-Galerie ein Meilenstein für Aschaffenburg ist und bis heute eine zentrale städtebauliche und gesellschaftliche Funktion erfüllt.
Leserbrief veröffentlich am 17.02.2026 im Main-Echo.

Experten sagen, Wahlplakate seien weiterhin ein wichtiges Instrument im Wahlkampf. Auch zur Kommunalwahl 2026 in Aschaffenburg sieht man sie an jeder Ecke – auf Laternenpfählen und Zäunen. Hinter jedem steckt viel ehrenamtlicher Einsatz: Parteimitglieder investieren ihre Freizeit, klettern auf Leitern, suchen den passenden Platz und kümmern sich um das Abnehmen. Ich spreche aus eigener Erfahrung. Dazu kommen Materialkosten, etwa für wetterfeste Plakate oder Befestigungsmaterial. Ganz schön viel Aufwand für ein Stück Pappe, das nur ein paar Wochen hängt.
Der Plakat-Dschungel in Aschaffenburg ist kaum noch zu übersehen – unkoordiniert und dicht gedrängt. Viele Ehrenamtliche würden ihre Zeit lieber anders nutzen: Bürger direkt ansprechen, bei Veranstaltungen helfen oder sich inhaltlich einbringen. Stattdessen bindet die Plakataktion Geld, Kraft und Material – und hinterlässt Müll.
Es wäre wünschenswert, wenn das Wildwest-Plakatieren bei der nächsten Wahl der Vergangenheit angehört. Zentrale Sammelwände in der Innenstadt und in den Stadtteilen könnten Ruhe ins Stadtbild bringen, Material sparen und die Umwelt schonen. Gleichzeitig behalten die Wähler den Überblick – alles an einem Ort, sortiert und sichtbar. Weniger Chaos, mehr Klarheit.
Leserbrief veröffentlich am 05.02.2026 im Main-Echo.

Die Nilkheimer Eisenbahnbrücke ist alt und sanierungsbedürftig – keine Frage. Aber sie hatte eine Funktion, die man heute schmerzlich vermissen wird: Sie wirkte wie ein Filter. Wer mit dem Lkw nicht durchpasste, fuhr gar nicht erst durch Nilkheim. Genau dieser unbeabsichtigte, aber wirksame Schutz fällt mit dem Neubau weg.
Schon jetzt schiebt sich der Verkehr auf der Großostheimer Straße Stoßstange an Stoßstange durch den Stadtteil. Zur Rushhour ist die Belastungsgrenze längst überschritten. Wenn künftig auch noch schwere Lastwagen problemlos unter der neuen Brücke hindurchrollen können, dann reden wir nicht mehr über Befürchtungen, sondern über eine sichere Entwicklung: mehr Lärm, mehr Abgase, mehr Gefahr – mitten in Nilkheim.
Besonders bitter ist das vor dem Hintergrund alter Versprechen. Beim Bürgerentscheid zum Ausbau der B26 wurde den Menschen in Nilkheim zugesichert, dass der Verkehr weniger wird, nicht mehr. Mit dem Brückenneubau droht nun genau das Gegenteil.
Der Neubau der Brücke darf deshalb kein reines Bauprojekt sein. Er muss der Startpunkt für eine echte Verkehrsberuhigung auf der Großostheimer Straße werden. Klare Lkw-Beschränkungen und der politische Wille, Anwohnerinteressen über Durchgangsverkehr zu stellen, sind überfällig.
Lesermeinung zum Artikel im Main-Echo: Ein Jahr Vollsperrung: Auf dieser Aschaffenburger Hauptverkehrsader wird es eng

Selten zeigte die Region so viel Geschlossenheit wie im Kampf um den ICE-Halt um 07.05 Uhr. Politik übte überparteilichen Druck aus – mit Erfolg. Der Zug, der verschwinden sollte, kehrt zurück. Die Euphorie darüber ist groß und spürbar. Als Frankfurt-Pendler begrüße ich diese Entscheidung ausdrücklich, denn diese Verbindung bedeutet Zeitgewinn, Planbarkeit und spürbare Entlastung.
Wichtig ist vor allem, dass Landrat Alexander Legler nicht nur jubelt, sondern handelt. Während viele noch von Freude getragen sind, hat er Fakten geschaffen. Seine Zählaktionen am Bahnsteig zeigten deutlich: Es steigen weit mehr Reisende ein als die von der Bahn genannten rund 40. Damit ist schwarz auf weiß belegt: Dieser Halt ist unverzichtbar. Ohne ihn heißt es früher raus, länger unterwegs sein, unsichere Anschlüsse riskieren.
Und auch der Regionalexpress nach Frankfurt zeigt das Problem deutlich. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Schon heute ist er stark ausgelastet, oft bis an die Grenze. Sitzplätze sind Glückssache. Warum zur Stoßzeit keine längeren Züge mit mehr Wagen eingesetzt werden, bleibt unverständlich.
Die neuen Zahlen liefern ein starkes Argument. Jetzt gilt es, den Halt dauerhaft im nächsten und in den kommenden Fahrplänen zu verankern.
Lesermeinung zum Artikel im Main-Echo: ICE 1022: Von Landrat Alexander Legler initiierte Zählaktion am Aschaffenburger Hauptbahnhof liefert höhere Fahrgastzahlen als von der Bahn angenommen

Der Bau-Turbo könnte für Aschaffenburg genau das sein, was lange gefehlt hat: Rückenwind für das Wohnen im Kleinen. Große Neubaugebiete sind hier kaum möglich, doch eine andere Idee wartet darauf, ernst genommen zu werden – Tiny Houses.
Diese kleinen, klugen Gebäude brauchen wenig Platz und schaffen Wohnraum dort, wo heute Rasen wächst oder Garagen leerstehen. Mit den neuen Regeln dürfen Kommunen flexibler handeln: ein Tiny House im Garten, ein Modulbau in zweiter Reihe, ein kleiner Anbau für erwachsene Kinder – all das könnte künftig möglich sein. Auch ungenutzte „Enkelgrundstücke“, kleine Rest- und Randflächen auf Familiengrundstücken, ließen sich so einer sinnvollen Nutzung zuführen.
Statt nach Flächen für Tausende Wohnungen zu suchen, sollten wir erkennen, was bereits vorhanden ist: viele kleine Chancen auf vielen Grundstücken. Nutzen wir sie, entsteht kein Großprojekt, sondern ein Mosaik schneller, bezahlbarer und nachhaltiger Lösungen – genau das, was wir brauchen.
Der Bau-Turbo ist kein Allheilmittel, aber er öffnet Türen. Jetzt braucht es Mut, sie aufzustoßen. Aschaffenburg könnte zeigen, wie moderne Wohnkultur aussieht: weniger Betonwüste, mehr kreative Verdichtung. Vielleicht beginnt der nächste Wohnraumschub tatsächlich im eigenen Garten – mit einem Tiny House.

Es gibt Orte, die mehr erzählen als jede Akte, jeder Plan und jedes Sitzungsprotokoll. Der Schönbusch gehört dazu. Wer an einem stillen Abend dort spazieren geht, hört in den alten Baumkronen nicht nur das Rascheln des Laubs – man hört Geschichte. Die Sichtachsen, einst von Gartenkünstlern des 18. Jahrhunderts komponiert, sind keine Dekoration, sondern Fenster in die Landschaft. Fast nichts davon ist heute noch erhalten, die Ausblicke werden knapp.
Besonders kritisch ist das letzte offene Stück westlich des Parks: Es bildet den Übergang zwischen Park und Landwirtschaft, schützt die Sichtachsen und bewahrt die Stille.
Und nun liegt wieder etwas in der Luft – das alte Flüstern der Bagger. Schon wieder soll untersucht, entwickelt, konzipiert werden. „Interkommunal“ und „wertfrei“. Drei Kommunen – Aschaffenburg, Großostheim und Stockstadt – wollen „zusammen denken“. Doch zu oft folgt auf das Denken das Bauen.
Es gibt genug Gewerbegebiete, genug Asphalt, genug Schnellrestaurants. Der Schönbusch braucht kein „Mehr“, sondern sein „Noch“ – noch Weite, noch Stille, noch Atem. Vielleicht ist jetzt der Moment, laut zu sagen: Das Nichts ist auch eine Möglichkeit. Ich hoffe, die aktuelle Studie erkennt, dass das größte Geschenk an diesen Ort das bewusste Lassen wäre.
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