Jetzt auch bei uns in der Region: Tiny Houses sollen künftig auf Enkelgrundstücken stehen dürfen – jenen Flächen, die Eigentümer für den Nachwuchs zurückhalten, statt sie zu bebauen. U. a. Stockstadt, Kleinkahl, Großostheim und Niedernberg machen es vor.
Bei der Diskussion um die einjährige Vollsperrung der Großostheimer Straße wegen der Erneuerung der alten Nilkheimer Eisenbahnbrücke kommt ein entscheidender Aspekt bisher zu kurz: die Auswirkungen auf den Auweg und damit auf ganz Nilkheim.
Vielleicht wird man diesen bunten Radweg dereinst als das eigentliche Fanal einer finanzpolitischen Kehrtwende in Erinnerung behalten. Ausgerechnet viertausend Euro für Farbe auf dem Fuß- und Radweg auf der Willigisbrücke brachten die Stadt Aschaffenburg ins Schwitzen.
Die Stadt Aschaffenburg hat sich über Jahre an hohe Gewerbesteuereinnahmen gewöhnt. Umso größer ist jetzt die Verunsicherung, wenn plötzlich zehn Millionen Euro fehlen. Doch statt überrascht zu sein, sollte die Stadt diese Entwicklung als Weckruf verstehen. Gute Haushaltsführung zeigt sich nicht in Boomzeiten, sondern dann, wenn die Einnahmen sinken.
Der ICE-Halt in Aschaffenburg muss bleiben. Darüber sollte es keine Diskussion geben. Unsere Region ist auf eine gute Fernverkehrsanbindung angewiesen – für Pendler, Unternehmen und Reisende.
Was mich jedoch wundert, ist die reflexhafte Ablehnung des italienischen Bahnanbieters Italo. Kaum taucht ein Wettbewerber der Deutschen Bahn auf, werden Untergangsszenarien an die Wand gemalt. Dabei hören wir seit Jahren Beschwerden über verspätete Züge, Ausfälle, hohe Preise und überfüllte Wagen.
Vielleicht sollten wir die Sache einmal anders betrachten: Wettbewerb kann auch eine Chance sein. In Italien hat Italo den Hochgeschwindigkeitsverkehr belebt und für mehr Auswahl gesorgt. Das Unternehmen steht dort für moderne Züge und einen hohen Komfortstandard.
Natürlich darf Aschaffenburg nicht zum Verlierer werden. Aber den neuen Anbieter schon vor dem ersten gefahrenen Kilometer schlechtzureden, hilft niemandem.
Wer bessere Bahnverbindungen will, sollte nicht nur über Konkurrenz sprechen, sondern auch über die Chancen, die sie mit sich bringt. Manchmal ist frischer Wind genau das, was ein festgefahrenes System braucht.
Leserbrief veröffentlich im Juli 2026 im Main-Echo.
Die Entscheidung von Oberbürgermeister Schlemmer in Aschaffenburg, im Pride Month keine Regenbogenflagge zu hissen, ist weniger ein Kulturbruch als eine Sortierungsentscheidung: Der öffentliche Raum wird stärker getrennt zwischen institutionellem Auftritt und gesellschaftlicher Beteiligung.
Die Stadt Aschaffenburg zeigt Haltung durch Handeln, nicht durch dauerhafte symbolische Bindung am Fahnenmast. Auch der Pride Month wird weiterhin unterstützt, etwa durch Veranstaltungen und Beleuchtung. Das ist nicht kühl, sondern eher klassisch gedacht.
Die Gegenreaktionen ließen erwartbar nicht lange auf sich warten. Kritiker sehen darin ein falsches Signal, manche sprechen von einem Rückschritt.
Dabei wirkt die Erregung teilweise überzogen – auch weil die Entscheidung selbst keinen Rückzug aus dem Pride Month oder Ähnlichem bedeutet. Gerade diese Unterscheidung geht in der Debatte oft unter: Die Unterstützung bleibt, nur die dauerhafte Beflaggung entfällt. Der Streit sagt am Ende weniger über Aschaffenburg aus als über den politischen Druck in der Debatte um Symboliken.
Diese Diskussion zeigt, wie stark Erwartungen an öffentliche Zeichen inzwischen geworden sind.
Leserbrief veröffentlich im Juni 2026 im Main-Echo.
Beim Gehwegparken wird Kommunalpolitik unmittelbar erfahrbar: Es geht nicht um theoretische Modelle, sondern um sehr konkrete Fragen direkt vor der eigenen Haustür. Genau deshalb ist Bürgerbeteiligung hier keine Bremse, sondern ein zentraler Bestandteil einer tragfähigen Lösung. Akzeptanz entsteht nicht durch Tempo, sondern durch Transparenz, Dialog und das ernsthafte Einbeziehen von Betroffenen und Anwohnern. Wer das vorschnell als Verzögerung abtut, verkennt, dass gute Entscheidungen Zeit, Abwägung und Rückhalt brauchen.
Unter Alt-OB Klaus Herzog wurde Bürgerbeteiligung in Aschaffenburg bewusst großgeschrieben. Viele erinnern sich daran, dass gerade das frühe Einbinden der Menschen vor Ort zu besseren und dauerhaft tragfähigen Lösungen geführt hat. Dieser Ansatz ist kein Hindernis, sondern Ausdruck von guter kommunaler Praxis. Gerade bei sensiblen Themen gilt: zuhören, erklären, abwägen und bei Bedarf nachjustieren.
Am Ende zählt die Realität vor Ort. Für viele ist das Auto unverzichtbar, gleichzeitig brauchen Fußgänger sichere und freie Wege. Ziel muss es sein, so viele Parkplätze wie möglich zu ermöglichen und zugleich ausreichend Platz auf den Gehwegen zu schaffen. Genau diesen Ausgleich muss Politik leisten – pragmatisch, nachvollziehbar und nah an den Menschen.
Aschaffenburg steht damit nicht allein. In vielen Städten zeigt sich, wie anspruchsvoll der Ausgleich zwischen Mobilitätsbedürfnissen und sicherer Nutzung des öffentlichen Raums ist. Umso wichtiger ist es, Lösungen zu entwickeln, die vor Ort tragen und langfristig funktionieren.
Leserbrief veröffentlich am 06.05.2026 im Main-Echo
Was sich rund um die Demonstration in Aschaffenburg ereignet hat, ist mehr als eine Randnotiz – es ist ein Prüfstein für unseren Umgang miteinander in der lokalen Demokratie. Dabei spielt es keine Rolle, wie man inhaltlich zur Klinikumsfrage steht.
Rund 70 Menschen demonstrierten für den Verbleib des Klinikums im Arbeitgeberverband – ein legitimes Anliegen. Doch Demokratie endet nicht beim Protest, sie beginnt mit Regeln, Rücksicht und Respekt. Ehrenamtliche Stadträte müssen ihre Arbeit frei und ohne Druck ausüben können.
Wenn gewählte Vertreter sich ihren Weg ins Plenum durch eine Demonstration bahnen müssen, läuft etwas schief. Noch gravierender ist es, wenn dabei ein Klima entsteht, das als einschüchternd empfunden wird. Man stelle sich vor: Sitzungstag – und vor der Tür baut sich Druck auf. So darf demokratische Willensbildung nicht aussehen.
Ein Blick in die Weimarer Republik zeigt, wie gefährlich es ist, wenn Druck von der Straße in Entscheidungsräume wirkt. Die Lehre bleibt: Demokratie braucht klare Regeln.
Protest ist ein Grundrecht – doch er darf nicht dazu führen, dass demokratische Abläufe gestört werden. Gerade deshalb gibt es Auflagen für Versammlungen. Wenn ein Ort wie der Theaterplatz festgelegt wird, geschieht das aus gutem Grund. Protest ja – aber innerhalb dieser Leitplanken. Entscheidend ist eine Kultur des Respekts, nicht der Einschüchterung.
Leserbrief veröffentlich im Main-Echo im April 2026
Auffällig ist vor allem die Diskrepanz zwischen Aufwand und Wirkung im Wahlkampf. Noch nie waren so viele Plakate zu sehen, noch nie wirkte ein Amtsinhaber so präsent – und gleichzeitig so fern. Die Dauerpräsenz hatte etwas von einem letzten Kraftakt, einer letzten Patrone. Nicht Zuversicht, sondern Absicherung. Wenn politische Kommunikation zum Überangebot wird, fragt man irgendwann nicht mehr: „Warum sehe ich das so oft?“, sondern: „Warum muss ich das so oft sehen?“
Ähnlich die Social-Media-Unterstützung aus Berlin in letzter Minute. Prominenz wie Boris Pistorius oder Hubertus Heil sollte Strahlkraft entfalten, wirkte aber eher wie ein Fremdkörper. Wer Aschaffenburg nicht kennt, überzeugt vor Ort nicht. Nähe lässt sich nicht importieren.
Auch der Ton spielte eine Rolle. Der Hinweis, bei Herzing „säßen keine Rechten am Tisch“, war wohl klar gemeint, wurde aber teils als belehrend empfunden. In einer Stichwahl kann so etwas schnell kippen – von Haltung zu Haltungsschaden.
Am Ende bleibt ein leiser Faktor: die Stimmung. Und die sagte offenbar: Jetzt ist jemand anderes dran.
Vielleicht gilt: Nicht der Mai macht alles neu – manchmal reicht ein Wahlsonntag im März.
Leserbrief veröffentlich im Main-Echo am 09.04.2026
Es ist kaum zu fassen, was sich aktuell auf der Exe in Schweinheim abspielt. Ein Gebiet, das sich vom ehemaligen Truppenübungsplatz zu einem echten Naturjuwel und beliebten Rückzugsort entwickelt hat, wird durch das rücksichtlose Verhalten einiger weniger aufs Spiel gesetzt. Gerade dieses Gelände steht sinnbildlich für gelungenen Naturschutz: seltene Wildpferde und eine Landschaft, die zur Ruhe einlädt.
Umso unverständlicher ist es, dass genau dort durch illegales Böllern, Müll und das Ignorieren klarer Regeln eine Situation entstanden ist, die nicht nur fassungslos macht, sondern ernsthafte Konsequenzen haben kann. Im schlimmsten Fall gerät sogar das gesamte Zucht- und Schutzprojekt ins Wanken. Dass ein solch wertvolles Vorhaben durch derart verantwortungsloses Verhalten gefährdet wird, macht sprachlos.
Offenbar ist vielen nicht bewusst, welchen Schatz wir hier direkt vor der Haustür haben. Es kann nicht sein, dass ein einzigartiges Natur- und Artenschutzprojekt an Ignoranz und Respektlosigkeit scheitert. Dazu gehört auch, unbequeme Entscheidungen zu treffen: Der Grillplatz in unmittelbarer Nähe muss hinterfragt und im Zweifel geschlossen werden. Naturschutz muss Vorrang haben – die Exe ist ein Ort der Erholung und sollte auch so behandelt werden.
Leserbrief veröffentlicht im Main-Echo am 02./03.04.2026
Zwischen Nilkheim und Innenstadt schreibt Markus Kremer pointiert über Aschaffenburg. Hier versammelt er seine Leserbriefe aus dem Main-Echo – kritisch, humorvoll und stets mit Haltung. Lokale Debatten, Alltagswahnsinn und klare Meinungen mit Herz und Augenzwinkern.