
Im Amateurfußball hat man sich leider schon fast daran gewöhnt, dass Schlägereien, Angriffe auf Schiedsrichter oder Gewalt nach dem Abpfiff Schlagzeilen machen. Man schüttelt den Kopf – und liest weiter.
Jetzt Judo? Ein Sport, der wie kaum ein anderer für Disziplin, Respekt, Selbstbeherrschung und Achtung vor dem Gegner steht. Dass ausgerechnet hier ein georgischer Kämpfer nach dem Wettkampf seinen Gegner brutal attackiert und schwer verletzt, ist für mich eine ganz andere Dimension.
Zunehmend scheint etwas in unsere Gesellschaft zu kriechen, das wir viel zu lange verharmlost haben: Respektlosigkeit, Aggressivität und die Bereitschaft, Konflikte mit Gewalt auszutragen. Grenzen werden verschoben.
Vielleicht ist das Beunruhigendste daran, dass wir uns bereits daran gewöhnen. Erst ist es ein Ausnahmefall, dann eine Schlagzeile unter vielen und irgendwann Alltag. Was heute noch fassungslos macht, könnte morgen schon niemanden mehr überraschen.
Und genau darin liegt die eigentliche Gefahr: Nicht, dass solche Grenzen einmal überschritten werden, sondern dass wir irgendwann gar nicht mehr merken, dass sie längst gefallen sind.
Leserbrief veröffentlicht im September 2026 im Main-Echo.

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