Was soll man einem Kind sagen, wenn es irgendwann erfährt: Zwei Männer haben einen Menschen mit einem Heizungsrohr und einem verbotenen Würgeholz brutal angegriffen und weiter auf ihn eingeschlagen, obwohl er bereits am Boden lag und dabei einen Knochenbruch erlitt? Und trotzdem müssen sie nicht ins Gefängnis, sondern können weiter frei herumlaufen. Ein Kind wird dann vermutlich fragen: „Warum dürfen die frei herumlaufen? Das ist doch nicht gerecht!“
Im Amateurfußball hat man sich leider schon fast daran gewöhnt, dass Schlägereien, Angriffe auf Schiedsrichter oder Gewalt nach dem Abpfiff Schlagzeilen machen. Man schüttelt den Kopf – und liest weiter.
Die Stadt Aschaffenburg hat sich über Jahre an hohe Gewerbesteuereinnahmen gewöhnt. Umso größer ist jetzt die Verunsicherung, wenn plötzlich zehn Millionen Euro fehlen. Doch statt überrascht zu sein, sollte die Stadt diese Entwicklung als Weckruf verstehen. Gute Haushaltsführung zeigt sich nicht in Boomzeiten, sondern dann, wenn die Einnahmen sinken.
Tarek Al-Wazir bezeichnet den Übergang vom Schöntal zur City-Galerie als Symbol einer autolastigen Verkehrspolitik. Diese Sicht greift jedoch zu kurz und verkennt die historische Realität. Klar ist: Die City-Galerie ist ein Kind ihrer Zeit, aber sie wurde 1974 nach intensiven Stadtratsdebatten eröffnet, bei denen Verkehrsanbindung, ausreichender Parkraum und die Erreichbarkeit für Kunden aus der gesamten Region, sogar aus Hessen, zentrale Themen waren. Parkhaus und Zufahrten für Pkw waren keine ideologische Bevorzugung des Autoverkehrs, sondern notwendige Instrumente, um das Zentrum tragfähig zu machen.
Zudem belebte die City-Galerie die Innenstadt: Fußgängerzonen rund um die Herstallstraße entstanden erst nach ihrer Eröffnung, und das Zentrum zog über fünf Jahrzehnte Handel, Gastronomie und soziale Begegnungen an. Unterirdische Übergänge dienten weniger der Autopriorisierung als dem pragmatischen Schutz der Besucher. Wer den Übergang heute als Symbol autozentrierter Planung deutet, übersieht, dass die City-Galerie ein Meilenstein für Aschaffenburg ist und bis heute eine zentrale städtebauliche und gesellschaftliche Funktion erfüllt.
Leserbrief veröffentlich am 17.02.2026 im Main-Echo.
Gut, dass jetzt auch in Aschaffenburg der Alarm schrillt! Der geplante Gewerbepark am Jägerhof – direkt vor den Toren des Schönbuschs – ist nicht nur städtebaulich fragwürdig, sondern auch ökologisch ein Tiefschlag. Dass sich nun die Fraktionen im Stadtrat parteiübergreifend dagegen positionieren, ist ein starkes Signal.
Der Schönbusch ist weit mehr als eine grüne Kulisse – er ist ein Kulturgut, ein Klimaanker, ein Stück Identität. Als einer der ältesten Landschaftsparks Deutschlands steht er für ein einzigartiges historisches Erbe. Ihn weiter zu gefährden hieße, Kulturgeschichte zu opfern – für kurzfristige Baupläne.
Doch auch Aschaffenburg war nicht immer ein Vorbild: Der Schönbusch ist längst eingekesselt – von B26 samt Tankstelle, dem Stadtteil Nilkheim und dem Linde-Werk. Immerhin wurden 2021 die Pläne für einen Kiesabbau westlich des Parks gestoppt – aus Sorge um das Grundwasser. Nach dessen Ausbaggerung hätten diese Flächen später wirtschaftlich genutzt werden können.
Hoffen wir, dass sich auch Stockstadt seiner Verantwortung stellt – und nicht allein auf kurzfristige wirtschaftliche Vorteile schielt.
Ein Rechenzentrum am Schönbusch? Das ist ein Rechenfehler. Hier geht es nicht nur um Bits und Bytes, sondern um Bäume, Biodiversität – und unsere gemeinsame Geschichte.
Leserbrief veröffentlicht am 12.06.2025 im Main-Echo.
Julian Dalberg , 29 Jahre jung, will für die FDP Oberbürgermeister werden, auch die Junge Union zieht mit eigener Liste in die Stadtratswahl – frischer Wind in der Aschaffenburger Politik scheint programmiert. Digital, modern, jugendnah: Die Schlagworte klingen verheißungsvoll.
Doch Aufbruchsstimmung allein macht noch keine bessere Kommunalpolitik. In Aschaffenburg ziehen sich Entscheidungen oft über Jahre – die endlose Diskussion um die Slipanlage ist nur ein Beispiel dafür, wie langsam manche Projekte vorankommen.
Können junge Kandidaten nicht nur neue Ideen liefern, sondern auch den langen Atem für Verwaltungsrealität, Haushaltspläne und Kompromisse mitbringen? Zwischen Vision und Tagesordnung, Idealen und Investitionsstau verläuft die eigentliche Reifeprüfung.
Jung zu sein ist kein Nachteil. Aber es ersetzt nicht Erfahrung, Ausdauer und einen Sinn fürs Machbare. Denn Politik ist kein Start-up – sie braucht auch Substanz.
2026 könnte eine Wende sein: hin zu einer Stadtpolitik, die jünger denkt – aber auch verlässlich handelt.
Leserbrief veröffentlicht am 27.05.2025 im Main-Echo.
Der Schönbusch war einst ein Park mit weitem Blick in die Landschaft – heute ist er ein Denkmal, eingeklemmt zwischen Verkehr, Stadt und Gewerbe. Nun droht ihm auch im Westen das letzte offene Fenster zur Umgebung verloren zu gehen: Der Jägerhof soll Gewerbegebiet werden. Sogar ein Rechenzentrum ist im Gespräch. Was hier zur Abstimmung steht, ist mehr als ein Bebauungsplan. Es geht um den Umgang mit einem kulturhistorischen Schatz, der seit dem 18. Jahrhundert Bestand hat – und dessen ursprünglicher Charakter mit jeder neuen Bebauung weiter verblasst. Sichtachsen, Raumwirkung, Naturbezug: Schon jetzt ist viel davon nur noch Geschichte.
Ein Rechenzentrum bringt jedoch nicht nur Versiegelung, sondern auch massive Abwärme mit sich. In Zeiten zunehmender Trockenheit stellt sich die Frage: Wie wirkt sich das auf den ohnehin gestressten Park aus? Dass wirtschaftliche Interessen nach Lösungen suchen, ist legitim. Aber nicht jeder freie Quadratmeter ist dafür geeignet – erst recht nicht, wenn er unmittelbar an ein geschütztes Gartendenkmal grenzt.
Der Marktgemeinderat von Stockstadt hat am 30. April die Chance, ein klares Zeichen zu setzen: Die Entscheidung betrifft nicht nur Flächen, sondern den Schutz eines Gartendenkmals, das mehr Rücksicht verdient. Noch ist es nicht zu spät.
Leserbrief veröffentlicht am 30.04.2025 im Main-Echo.
Bereits im letzten Jahr war im Main-Echo zu lesen, dass die Grundschüler aus dem Neubaugebiet Anwandeweg künftig nach Leider ausweichen sollen – eine Reaktion auf erfreulich hohe Einschulungszahlen. Die Idee klang vernünftig: freie Kapazitäten in der Erthal-Grundschule, ein zumutbarer Schulweg nach Leider, der sich nicht über eine längere Strecke erstreckt – eine nachvollziehbare Lösung.
Mit Beginn des nächsten Schuljahres sollte es so weit sein. Doch die Kommunikation war ein einziges Chaos. Die Eltern wurden viel zu spät informiert, Verunsicherung machte sich breit. Auch der zugesicherte Schulbus von Nilkheim nach Leider konnte nicht wirklich überzeugen. Viele protestierten – und setzten sich durch. Die geplante Verlegung nach Leider ist vom Tisch.
Die andere Seite der Medaille ist: Die Christian-Schad-Schule, deren Grundstein 1938 gelegt wurde, platzt aus allen Nähten! Es geht nicht nur um Klassenzimmer, sondern um Platz zum Lernen, Spielen und Wachsen. Es müssen die besten Lösungen für Nilkheim gefunden werden – solche, die Klassengröße, Platz, Pausenflächen und Hortangebote für alle Kinder berücksichtigen.
Leserbrief veröffentlicht am 25. April 2025 im Main-Echo.
Leserbrief zum Artikel: „Er hing zur Abschreckung sieben Tage lang“ vom 27.03.2025. Veröffentlicht im Main-Echo am 04.04.2025.
Nach der Hinrichtung ließen die Mörder Friedel Heymann ein Schild mit folgendem Text umhängen: „Heute hängt ein Feigling im Offiziersrock, weil er Führer und Volk verriet. Er ist für immer tot!“
Doch heute wissen wir: Seine Mörder haben nicht recht behalten. Die Erinnerung an Friedel Heymann lebt in Aschaffenburg. Die Umbenennung der Heymannstraße, der Gedenkstein in der Herstallstraße samt Stele und der Stolperstein in der Freundstraße sind Zeichen dafür, dass sich das Bewusstsein für Gerechtigkeit und die Aufarbeitung historischen Unrechts gewandelt hat.
Die Frage, die wir uns stellen müssen: Warum hat es so lange gebraucht, bis wir bereit waren, diese Opfer öffentlich zu würdigen? War nicht von Anfang an klar, dass die NS-Kriegsverratsurteile rechtsstaatswidrig waren? Sind wir heute schlauer als vor 80 Jahren? Die juristische Rehabilitierung erfolgte erst spät nach langen Kämpfen, doch wenigstens ist sie erfolgt. Umso wichtiger ist es, dass wir uns weiterhin aktiv mit unserer Vergangenheit auseinandersetzen. Die Gedenkorte sind ein Mahnmal für unsere Verantwortung.
Gedenken bedeutet nicht nur, sich an die Vergangenheit zu erinnern, sondern auch, für die Zukunft zu lernen. Die Würdigung von Friedel Heymann muss fortgeführt werden – nicht nur durch Stelen und Stolpersteine, sondern auch durch eine lebendige Erinnerungskultur in Aschaffenburg.
Leserbrief zum Artikel: „Stadtwerke Aschaffenburg einheitlich mit neuem Logo“ vom 18.03.2025. Veröffentlicht im Main-Echo am 27.03.2025.
Nach 19 Jahren gönnen sich die Stadtwerke Aschaffenburg ein neues Logo. Mein erster Gedanke: Schon wieder ein teures Marketing-Projekt? Doch weit gefehlt! Keine Werbeagentur, keine externen Kosten – das haben die Stadtwerke selbst gemacht!
Und das Ergebnis? Minimalistisch, modern, stark! Statt eines wilden Durcheinanders mit verschiedenen Logos gibt es jetzt ein klares Zeichen für alle Bereiche. Das Beste daran: Es wird sogar Geld gespart! Keine teuren Einzel-Logos mehr, keine unnötigen Druckkosten. Ein schlauer Schritt, der zeigt: Es geht auch ohne großen Etat für Designer!
Zwischen Nilkheim und Innenstadt schreibt Markus Kremer pointiert über Aschaffenburg. Hier versammelt er seine Leserbriefe aus dem Main-Echo – kritisch, humorvoll und stets mit Haltung. Lokale Debatten, Alltagswahnsinn und klare Meinungen mit Herz und Augenzwinkern.