Nach den finanziellen Wohlfühljahren brechen für Aschaffenburg jetzt magere Zeiten an. Die Haushaltssperre ist ein Alarmsignal. Seien wir ehrlich: Ein neuer Brunnen, der Aufzug am Schloss, teure Polleranlagen und der kostenlose Samstagsbus hätten schon in den vergangenen Jahren kritischer hinterfragt werden müssen.

Gleiches gilt für den starken Stellenzuwachs beim Personal. Warnungen gab es seit Jahren. Hinzu kommt die Belastung durch das Defizit des Klinikums. Diese Entwicklung hat sich schon länger angebahnt. Jetzt muss alles konsequent auf den Prüfstand. Wer weniger Geld hat, muss weniger ausgeben.

Erhöhungen der Gewerbe- oder Grundsteuer dürfen nicht die erste Antwort sein. Sie belasten lokale Unternehmen, Eigentümer und über die Nebenkosten auch Mieter. Bevor Bürger und Betriebe mehr zahlen sollen, muss die Stadt ihre Einsparmöglichkeiten ausschöpfen.

Auch Gewinnausschüttungen der Sparkasse müssen sorgfältig abgewogen werden. Sie können deren Eigenkapitalbasis und damit den Spielraum für Kredite an lokale Unternehmen schwächen. Steuererhöhungen und zusätzliche Ausschüttungen sollten deshalb nur als letztes Mittel infrage kommen – nachdem konsequent gespart wurde.

Auf eine schnelle Konjunkturerholung zu hoffen, reicht nicht. Rücklagen lassen sich nur einmal ausgeben. Notwendige Einschnitte müssen ehrlich erklärt werden. Die Zeit der Wunschlisten ist endgültig vorbei.

Leserbrief veröffentlich im Main-Echo im Oktober 2026