Die Nilkheimer Eisenbahnbrücke ist alt und sanierungsbedürftig – keine Frage. Aber sie hatte eine Funktion, die man heute schmerzlich vermissen wird: Sie wirkte wie ein Filter. Wer mit dem Lkw nicht durchpasste, fuhr gar nicht erst durch Nilkheim. Genau dieser unbeabsichtigte, aber wirksame Schutz fällt mit dem Neubau weg.

Schon jetzt schiebt sich der Verkehr auf der Großostheimer Straße Stoßstange an Stoßstange durch den Stadtteil. Zur Rushhour ist die Belastungsgrenze längst überschritten. Wenn künftig auch noch schwere Lastwagen problemlos unter der neuen Brücke hindurchrollen können, dann reden wir nicht mehr über Befürchtungen, sondern über eine sichere Entwicklung: mehr Lärm, mehr Abgase, mehr Gefahr – mitten in Nilkheim.

Besonders bitter ist das vor dem Hintergrund alter Versprechen. Beim Bürgerentscheid zum Ausbau der B26 wurde den Menschen in Nilkheim zugesichert, dass der Verkehr weniger wird, nicht mehr. Mit dem Brückenneubau droht nun genau das Gegenteil.

Der Neubau der Brücke darf deshalb kein reines Bauprojekt sein. Er muss der Startpunkt für eine echte Verkehrsberuhigung auf der Großostheimer Straße werden. Klare Lkw-Beschränkungen und der politische Wille, Anwohnerinteressen über Durchgangsverkehr zu stellen, sind überfällig.

Lesermeinung zum Artikel im Main-Echo: Ein Jahr Vollsperrung: Auf dieser Aschaffenburger Hauptverkehrsader wird es eng