



Die Nilkheimer Eisenbahnbrücke ist alt und sanierungsbedürftig – keine Frage. Aber sie hatte eine Funktion, die man heute schmerzlich vermissen wird: Sie wirkte wie ein Filter. Wer mit dem Lkw nicht durchpasste, fuhr gar nicht erst durch Nilkheim. Genau dieser unbeabsichtigte, aber wirksame Schutz fällt mit dem Neubau weg.
Schon jetzt schiebt sich der Verkehr auf der Großostheimer Straße Stoßstange an Stoßstange durch den Stadtteil. Zur Rushhour ist die Belastungsgrenze längst überschritten. Wenn künftig auch noch schwere Lastwagen problemlos unter der neuen Brücke hindurchrollen können, dann reden wir nicht mehr über Befürchtungen, sondern über eine sichere Entwicklung: mehr Lärm, mehr Abgase, mehr Gefahr – mitten in Nilkheim.
Besonders bitter ist das vor dem Hintergrund alter Versprechen. Beim Bürgerentscheid zum Ausbau der B26 wurde den Menschen in Nilkheim zugesichert, dass der Verkehr weniger wird, nicht mehr. Mit dem Brückenneubau droht nun genau das Gegenteil.
Der Neubau der Brücke darf deshalb kein reines Bauprojekt sein. Er muss der Startpunkt für eine echte Verkehrsberuhigung auf der Großostheimer Straße werden. Klare Lkw-Beschränkungen und der politische Wille, Anwohnerinteressen über Durchgangsverkehr zu stellen, sind überfällig.
Lesermeinung zum Artikel im Main-Echo: Ein Jahr Vollsperrung: Auf dieser Aschaffenburger Hauptverkehrsader wird es eng

Selten zeigte die Region so viel Geschlossenheit wie im Kampf um den ICE-Halt um 07.05 Uhr. Politik übte überparteilichen Druck aus – mit Erfolg. Der Zug, der verschwinden sollte, kehrt zurück. Die Euphorie darüber ist groß und spürbar. Als Frankfurt-Pendler begrüße ich diese Entscheidung ausdrücklich, denn diese Verbindung bedeutet Zeitgewinn, Planbarkeit und spürbare Entlastung.
Wichtig ist vor allem, dass Landrat Alexander Legler nicht nur jubelt, sondern handelt. Während viele noch von Freude getragen sind, hat er Fakten geschaffen. Seine Zählaktionen am Bahnsteig zeigten deutlich: Es steigen weit mehr Reisende ein als die von der Bahn genannten rund 40. Damit ist schwarz auf weiß belegt: Dieser Halt ist unverzichtbar. Ohne ihn heißt es früher raus, länger unterwegs sein, unsichere Anschlüsse riskieren.
Und auch der Regionalexpress nach Frankfurt zeigt das Problem deutlich. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Schon heute ist er stark ausgelastet, oft bis an die Grenze. Sitzplätze sind Glückssache. Warum zur Stoßzeit keine längeren Züge mit mehr Wagen eingesetzt werden, bleibt unverständlich.
Die neuen Zahlen liefern ein starkes Argument. Jetzt gilt es, den Halt dauerhaft im nächsten und in den kommenden Fahrplänen zu verankern.
Lesermeinung zum Artikel im Main-Echo: ICE 1022: Von Landrat Alexander Legler initiierte Zählaktion am Aschaffenburger Hauptbahnhof liefert höhere Fahrgastzahlen als von der Bahn angenommen

Der Bau-Turbo könnte für Aschaffenburg genau das sein, was lange gefehlt hat: Rückenwind für das Wohnen im Kleinen. Große Neubaugebiete sind hier kaum möglich, doch eine andere Idee wartet darauf, ernst genommen zu werden – Tiny Houses.
Diese kleinen, klugen Gebäude brauchen wenig Platz und schaffen Wohnraum dort, wo heute Rasen wächst oder Garagen leerstehen. Mit den neuen Regeln dürfen Kommunen flexibler handeln: ein Tiny House im Garten, ein Modulbau in zweiter Reihe, ein kleiner Anbau für erwachsene Kinder – all das könnte künftig möglich sein. Auch ungenutzte „Enkelgrundstücke“, kleine Rest- und Randflächen auf Familiengrundstücken, ließen sich so einer sinnvollen Nutzung zuführen.
Statt nach Flächen für Tausende Wohnungen zu suchen, sollten wir erkennen, was bereits vorhanden ist: viele kleine Chancen auf vielen Grundstücken. Nutzen wir sie, entsteht kein Großprojekt, sondern ein Mosaik schneller, bezahlbarer und nachhaltiger Lösungen – genau das, was wir brauchen.
Der Bau-Turbo ist kein Allheilmittel, aber er öffnet Türen. Jetzt braucht es Mut, sie aufzustoßen. Aschaffenburg könnte zeigen, wie moderne Wohnkultur aussieht: weniger Betonwüste, mehr kreative Verdichtung. Vielleicht beginnt der nächste Wohnraumschub tatsächlich im eigenen Garten – mit einem Tiny House.

Es gibt Orte, die mehr erzählen als jede Akte, jeder Plan und jedes Sitzungsprotokoll. Der Schönbusch gehört dazu. Wer an einem stillen Abend dort spazieren geht, hört in den alten Baumkronen nicht nur das Rascheln des Laubs – man hört Geschichte. Die Sichtachsen, einst von Gartenkünstlern des 18. Jahrhunderts komponiert, sind keine Dekoration, sondern Fenster in die Landschaft. Fast nichts davon ist heute noch erhalten, die Ausblicke werden knapp.
Besonders kritisch ist das letzte offene Stück westlich des Parks: Es bildet den Übergang zwischen Park und Landwirtschaft, schützt die Sichtachsen und bewahrt die Stille.
Und nun liegt wieder etwas in der Luft – das alte Flüstern der Bagger. Schon wieder soll untersucht, entwickelt, konzipiert werden. „Interkommunal“ und „wertfrei“. Drei Kommunen – Aschaffenburg, Großostheim und Stockstadt – wollen „zusammen denken“. Doch zu oft folgt auf das Denken das Bauen.
Es gibt genug Gewerbegebiete, genug Asphalt, genug Schnellrestaurants. Der Schönbusch braucht kein „Mehr“, sondern sein „Noch“ – noch Weite, noch Stille, noch Atem. Vielleicht ist jetzt der Moment, laut zu sagen: Das Nichts ist auch eine Möglichkeit. Ich hoffe, die aktuelle Studie erkennt, dass das größte Geschenk an diesen Ort das bewusste Lassen wäre.

Die angekündigte Streichung des ICE-Halts um 7:05 Uhr in Aschaffenburg ist für viele Pendler ein herber Rückschlag. Nach dem Wegfall des früheren ICE um 6:33 Uhr bleibt nun nur noch die Verbindung um 7:33 Uhr – zu spät, um pünktlich in Frankfurt im Büro zu sein.
Als Pendler kann ich nur den Kopf schütteln. Der Regionalexpress um 7:19 Uhr ist schon heute regelmäßig überfüllt und verspätet. Ab Kahl stehen die Fahrgäste dicht gedrängt, und an ein entspanntes Ankommen ist längst nicht mehr zu denken. Wenn nun auch noch der ICE entfällt, wird die Situation endgültig unzumutbar.
Die Bahn begründet die Streichung mit einer „Vereinheitlichung“ des Systems. Das klingt modern, verbessert aber für Aschaffenburg rein gar nichts. Im Gegenteil: Der Standort verliert an Attraktivität, und viele Berufspendler werden wieder das Auto wählen – ein Bärendienst für die vielbeschworene Verkehrswende.
Es ist schwer nachvollziehbar, warum man funktionierende Verbindungen streicht, statt sie auszubauen. Stabilität entsteht nicht durch weniger Angebot, sondern durch verlässliche Planung.
Lesermeinung zitiert im Main-Echo am 10. November im Main-Echo.

Ich habe mir den Auweg selbst angesehen – jenen Abschnitt, über den seit 2022 beraten, gestritten und beschlossen wurde. Drei Jahre Diskussion, große Worte, teure Pläne. Und nun das Ergebnis: ein Fußweg mit kaum 1,40 Metern Breite, uneben durch Baumwurzeln, auf einem Stück nicht einmal asphaltiert. Eine wesentliche Verbesserung im Vergleich zu früher? Fehlanzeige.
Der Auweg ist nicht nur eine Straße; er verbindet die Stadtteile Leider und Nilkheim miteinander, und der Fußweg wird täglich genutzt. Ursprünglich war geplant, den Gehweg auf 2,5 Meter zu verbreitern – doch aus haushaltswirtschaftlichen Gründen wurde das gestrichen. Stattdessen richtete der Bauhof den alten Weg notdürftig her, und die Verwaltung erklärte das Provisorium nun als „ausreichend“.
Was als Erfolg präsentiert wird, ist also ein Minimalprogramm. Natürlich muss die Stadt sparen. Doch wer jahrelang Erwartungen schürt, sollte am Ende mehr liefern als einen halbwegs begehbaren Trampelpfad.
Wenn für solche Projekte kein Geld da ist, wäre Ehrlichkeit von Anfang an besser gewesen als dieser lange Zirkus. Am Ende bleibt ein Weg, der keiner ist – und das Gefühl, dass Stillstand in Aschaffenburg inzwischen als Fortschritt gilt.
Leserbrief veröffentlich am 04.11.2025 im Main-Echo.

Hunderte Wohnungen in Damm haben den Besitzer gewechselt, und viele Mieter fürchten steigende Kosten. Verständlich: Wer sein Zuhause bedroht sieht, denkt nicht an Rendite, sondern an Sicherheit, Familie und Alltag.
Hier zeigen sich die Schattenseiten des Wohnungsmarkts. Er wirkt zunehmend dysfunktional: hohe Preise, hohe Zinsen, steigende Nachfrage – und mittendrin Menschen, die schlicht ein Dach über dem Kopf brauchen. Wo Fonds und Investoren den Takt vorgeben, geraten Nachbarschaften ins Wanken. Doch nicht jede Modernisierung ist Teufelswerk: Energetische Sanierungen können Kosten senken und Gebäude fit machen – entscheidend ist, dass dies nicht zum Vorwand für untragbare Mieterhöhungen wird.
Ein Blick zurück zeigt: Die Abschaffung der Wohngemeinnützigkeit in den 90ern war ein Fehler. Der Glaube, der Wohnungsmarkt reguliere sich selbst, hat sich als Irrtum erwiesen.
Dennoch gibt es Lichtblicke in Aschaffenburg. Die Stadtbau sichert mit ihrem Bestand Stabilität. Und neue Ansätze wie WiGe oder Wohnidee zeigen, dass Wohnraum auch gemeinschaftlich, nachhaltig und fair gestaltet werden kann.
Die Zeit zurückdrehen können wir nicht. Aber wir können entscheiden, welchen Weg wir gehen: Rendite um jeden Preis – oder Wohnen als Grundrecht und Zuhause.
Leserbrief veröffentlicht am 07.10.2025 im Main-Echo

Als ich vor einiger Zeit anregte, dass ein Verein hier vor Ort dem Bündnis „Aschaffenburg ist bunt“ beitreten solle, wurde dies abgelehnt – aus Sorge vor politischer Einflussnahme. Damals hielt ich das für übertrieben. Schließlich sind die Stadt Aschaffenburg, viele Schulen und unzählige unpolitische Vereine Teil des Bündnisses. Doch die jüngsten Ereignisse haben gezeigt, dass diese Skepsis nicht unbegründet war. Ein Social-Media-Post aus dem linken Spektrum, gerichtet gegen die Bezahlkarte – also gegen geltendes Recht – und zudem politisch aufgeladen, hat im überparteilichen Rahmen schlicht nichts verloren.
Die Stärke von „Aschaffenburg ist bunt“ liegt in seiner breiten, zivilgesellschaftlichen Verankerung und in der Vielfalt seiner Mitglieder. Genau das unterscheidet es von parteipolitischen Initiativen und macht es so wirksam. Das Bündnis darf nicht abdriften, es muss breit verankert bleiben – in Schulen, Vereinen, Institutionen und in der Stadtgesellschaft. Wenn nun in Organisationen Debatten entstehen, ob man überhaupt noch dabeibleiben kann, schwächt das das Bündnis massiv. Eine Austrittswelle wäre fatal.
Damit es nicht weiter kracht, schlage ich einen Schlichter vor: Ein Professor der TH Aschaffenburg – die Hochschule ist selbst Mitglied – wäre als neutraler Mediator ideal geeignet, um die Wogen zu glätten. In der Sache ist man sich ja einig: Das Bündnis muss weitergehen.
Leserbrief veröffentlicht im Main-Echo am 01.09.2025

Das KOMMZ in Nilkheim ist gelebte Tradition – und das seit 1975. Während viele Vereine ihre Feste kaum noch stemmen können, beeindruckt mich hier vor allem eines: Nachwuchssorgen? Fehlanzeige! Jahr für Jahr steht eine motivierte Helferschar bereit, um Bühnen aufzubauen, Getränke zu zapfen und das bunte Programm möglich zu machen. Oft sind es dieselben Familien, die das Festival seit Jahrzehnten prägen – Eltern, die einst selbst als Jugendliche im KOMMZ-Team standen, bringen heute ihre Kinder mit. Die linken Ideen, die von der älteren Generation weitergetragen werden, wirken auf mich inzwischen eher wie liebgewonnene Folklore, die man mitnimmt, wenn man mag, oder einfach links liegen lässt. Für viele Besucher zählt ohnehin mehr die entspannte Atmosphäre als der politische Überbau. Und doch bleibt die Frage: Was motiviert die jungen Helfer? Ist es tatsächlich der Idealismus aus den Anfangsjahren? Oder geht es im Kern – vielleicht unbewusst – um konservative Werte wie Gemeinschaft, Beständigkeit und das Bewahren einer schönen Tradition? Wie auch immer – eines steht fest: Das KOMMZ ist Aschaffenburger Kultur pur. Musik, Kinderprogramm, Gespräche, Begegnungen – hier findet jeder etwas. Deshalb, im Sinne des Namens: Kommt’s alle!
Leserbrief im Main-Echo vom 20.08.2025
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