Monat: Februar 2026

Frohsinnstraße Aschaffenburg: Einst Prachtmeile, heute „Sorgenkind“

Ich erinnere mich an Tage, da machte die Frohsinnstraße ihrem Namen alle Ehre: lebendig, einladend, voller Charakter. Heute schmerzt jeder Spaziergang. Doch der Verfall ist kein lokales Versagen, sondern Teil eines größeren Wandels. Ein Blick auf die Zeil in Frankfurt am Main zeigt, wie selbst einstige Vorzeigemeilen an Glanz verlieren, Traditionsgeschäfte verschwinden und Leerstand zunimmt.

Der Onlinehandel hat gesiegt; Bequemlichkeit zieht Kaufkraft aus den Innenstädten. Mehr Grün, Events oder niedrigere Mieten lindern Symptome, lösen aber nicht das Kernproblem: ein verändertes Konsumverhalten. Runde Tische, Konzepte, Förderprogramme – vieles wurde versucht, oft mit ernüchterndem Ergebnis. Es fehlt nicht an Ideen, sondern an realistischen Perspektiven.

Vielleicht ist es klüger, die Kräfte dort zu bündeln, wo noch Frequenz und Zukunftschancen bestehen: in der Herstallstraße und in der City Galerie Aschaffenburg. Diese Orte haben weiterhin Strahlkraft und Entwicklungspotenzial.

Die Frohsinnstraße muss sich wandeln dürfen: ein gemischtes Quartier mit Arztpraxen, Wohnungen und Dienstleistungen wäre kein Scheitern, sondern ein mutiger Neuanfang. Weniger Sentimentalität, mehr Pragmatismus – nur so entstehen aus Verlusten neue Perspektiven.

Leserbrief veröffentlicht im Main Echo am 23.02.2026.

Ein Meilenstein für Aschaffenburg

Tarek Al-Wazir bezeichnet den Übergang vom Schöntal zur City-Galerie als Symbol einer autolastigen Verkehrspolitik. Diese Sicht greift jedoch zu kurz und verkennt die historische Realität. Klar ist: Die City-Galerie ist ein Kind ihrer Zeit, aber sie wurde 1974 nach intensiven Stadtratsdebatten eröffnet, bei denen Verkehrsanbindung, ausreichender Parkraum und die Erreichbarkeit für Kunden aus der gesamten Region, sogar aus Hessen, zentrale Themen waren. Parkhaus und Zufahrten für Pkw waren keine ideologische Bevorzugung des Autoverkehrs, sondern notwendige Instrumente, um das Zentrum tragfähig zu machen.

Zudem belebte die City-Galerie die Innenstadt: Fußgängerzonen rund um die Herstallstraße entstanden erst nach ihrer Eröffnung, und das Zentrum zog über fünf Jahrzehnte Handel, Gastronomie und soziale Begegnungen an. Unterirdische Übergänge dienten weniger der Autopriorisierung als dem pragmatischen Schutz der Besucher. Wer den Übergang heute als Symbol autozentrierter Planung deutet, übersieht, dass die City-Galerie ein Meilenstein für Aschaffenburg ist und bis heute eine zentrale städtebauliche und gesellschaftliche Funktion erfüllt.

Leserbrief veröffentlich am 17.02.2026 im Main-Echo.

Weniger Chaos, mehr Klarheit

Experten sagen, Wahlplakate seien weiterhin ein wichtiges Instrument im Wahlkampf. Auch zur Kommunalwahl 2026 in Aschaffenburg sieht man sie an jeder Ecke – auf Laternenpfählen und Zäunen. Hinter jedem steckt viel ehrenamtlicher Einsatz: Parteimitglieder investieren ihre Freizeit, klettern auf Leitern, suchen den passenden Platz und kümmern sich um das Abnehmen. Ich spreche aus eigener Erfahrung. Dazu kommen Materialkosten, etwa für wetterfeste Plakate oder Befestigungsmaterial. Ganz schön viel Aufwand für ein Stück Pappe, das nur ein paar Wochen hängt.

Der Plakat-Dschungel in Aschaffenburg ist kaum noch zu übersehen – unkoordiniert und dicht gedrängt. Viele Ehrenamtliche würden ihre Zeit lieber anders nutzen: Bürger direkt ansprechen, bei Veranstaltungen helfen oder sich inhaltlich einbringen. Stattdessen bindet die Plakataktion Geld, Kraft und Material – und hinterlässt Müll.

Es wäre wünschenswert, wenn das Wildwest-Plakatieren bei der nächsten Wahl der Vergangenheit angehört. Zentrale Sammelwände in der Innenstadt und in den Stadtteilen könnten Ruhe ins Stadtbild bringen, Material sparen und die Umwelt schonen. Gleichzeitig behalten die Wähler den Überblick – alles an einem Ort, sortiert und sichtbar. Weniger Chaos, mehr Klarheit.

Leserbrief veröffentlich am 05.02.2026 im Main-Echo.

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