Auffällig ist vor allem die Diskrepanz zwischen Aufwand und Wirkung im Wahlkampf. Noch nie waren so viele Plakate zu sehen, noch nie wirkte ein Amtsinhaber so präsent – und gleichzeitig so fern. Die Dauerpräsenz hatte etwas von einem letzten Kraftakt, einer letzten Patrone. Nicht Zuversicht, sondern Absicherung. Wenn politische Kommunikation zum Überangebot wird, fragt man irgendwann nicht mehr: „Warum sehe ich das so oft?“, sondern: „Warum muss ich das so oft sehen?“

Ähnlich die Social-Media-Unterstützung aus Berlin in letzter Minute. Prominenz wie Boris Pistorius oder Hubertus Heil sollte Strahlkraft entfalten, wirkte aber eher wie ein Fremdkörper. Wer Aschaffenburg nicht kennt, überzeugt vor Ort nicht. Nähe lässt sich nicht importieren.

Auch der Ton spielte eine Rolle. Der Hinweis, bei Herzing „säßen keine Rechten am Tisch“, war wohl klar gemeint, wurde aber teils als belehrend empfunden. In einer Stichwahl kann so etwas schnell kippen – von Haltung zu Haltungsschaden.

Am Ende bleibt ein leiser Faktor: die Stimmung. Und die sagte offenbar: Jetzt ist jemand anderes dran.

Vielleicht gilt: Nicht der Mai macht alles neu – manchmal reicht ein Wahlsonntag im März.

Leserbrief veröffentlich im Main-Echo am 09.04.2026