
Beim Gehwegparken wird Kommunalpolitik unmittelbar erfahrbar: Es geht nicht um theoretische Modelle, sondern um sehr konkrete Fragen direkt vor der eigenen Haustür. Genau deshalb ist Bürgerbeteiligung hier keine Bremse, sondern ein zentraler Bestandteil einer tragfähigen Lösung. Akzeptanz entsteht nicht durch Tempo, sondern durch Transparenz, Dialog und das ernsthafte Einbeziehen von Betroffenen und Anwohnern. Wer das vorschnell als Verzögerung abtut, verkennt, dass gute Entscheidungen Zeit, Abwägung und Rückhalt brauchen.
Unter Alt-OB Klaus Herzog wurde Bürgerbeteiligung in Aschaffenburg bewusst großgeschrieben. Viele erinnern sich daran, dass gerade das frühe Einbinden der Menschen vor Ort zu besseren und dauerhaft tragfähigen Lösungen geführt hat. Dieser Ansatz ist kein Hindernis, sondern Ausdruck von guter kommunaler Praxis. Gerade bei sensiblen Themen gilt: zuhören, erklären, abwägen und bei Bedarf nachjustieren.
Am Ende zählt die Realität vor Ort. Für viele ist das Auto unverzichtbar, gleichzeitig brauchen Fußgänger sichere und freie Wege. Ziel muss es sein, so viele Parkplätze wie möglich zu ermöglichen und zugleich ausreichend Platz auf den Gehwegen zu schaffen. Genau diesen Ausgleich muss Politik leisten – pragmatisch, nachvollziehbar und nah an den Menschen.
Aschaffenburg steht damit nicht allein. In vielen Städten zeigt sich, wie anspruchsvoll der Ausgleich zwischen Mobilitätsbedürfnissen und sicherer Nutzung des öffentlichen Raums ist. Umso wichtiger ist es, Lösungen zu entwickeln, die vor Ort tragen und langfristig funktionieren.
Leserbrief veröffentlich am 06.05.2026 im Main-Echo