Monat: Juli 2026

Der Geldregen ist vorbei – Aschaffenburg muss sparen

Die Stadt Aschaffenburg hat sich über Jahre an hohe Gewerbesteuereinnahmen gewöhnt. Umso größer ist jetzt die Verunsicherung, wenn plötzlich zehn Millionen Euro fehlen. Doch statt überrascht zu sein, sollte die Stadt diese Entwicklung als Weckruf verstehen. Gute Haushaltsführung zeigt sich nicht in Boomzeiten, sondern dann, wenn die Einnahmen sinken.

Man muss jetzt den Mut haben, Ausgaben ehrlich auf den Prüfstand zu stellen. Es kann nicht der Anspruch sein, jedes Vorhaben und jede freiwillige Leistung dauerhaft zu finanzieren, wenn die wichtigste Einnahmequelle schwächelt. Gerade die stetig steigenden Personalkosten machen deutlich, dass die Stadt Aschaffenburg ihre Prioritäten neu ordnen muss.

Eines sollte dabei jedoch ausgeschlossen sein: der einfache Weg über eine höhere Gewerbesteuer. Das würde Unternehmen zusätzlich belasten und den Wirtschaftsstandort schwächen. Die Stadt Aschaffenburg braucht jetzt keine höheren Steuern, sondern mehr Haushaltsdisziplin, klare Prioritäten und den Mut, auf manches zu verzichten. Nur so bleibt die Stadt auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten handlungsfähig.

Leserbrief veröffentlich im Juli 2026 im Main-Echo.

ICE-Halt in Aschaffenburg: Konkurrenz statt Stillstand

Der ICE-Halt in Aschaffenburg muss bleiben. Darüber sollte es keine Diskussion geben. Unsere Region ist auf eine gute Fernverkehrsanbindung angewiesen – für Pendler, Unternehmen und Reisende.

Was mich jedoch wundert, ist die reflexhafte Ablehnung des italienischen Bahnanbieters Italo. Kaum taucht ein Wettbewerber der Deutschen Bahn auf, werden Untergangsszenarien an die Wand gemalt. Dabei hören wir seit Jahren Beschwerden über verspätete Züge, Ausfälle, hohe Preise und überfüllte Wagen.

Vielleicht sollten wir die Sache einmal anders betrachten: Wettbewerb kann auch eine Chance sein. In Italien hat Italo den Hochgeschwindigkeitsverkehr belebt und für mehr Auswahl gesorgt. Das Unternehmen steht dort für moderne Züge und einen hohen Komfortstandard.

Natürlich darf Aschaffenburg nicht zum Verlierer werden. Aber den neuen Anbieter schon vor dem ersten gefahrenen Kilometer schlechtzureden, hilft niemandem.

Wer bessere Bahnverbindungen will, sollte nicht nur über Konkurrenz sprechen, sondern auch über die Chancen, die sie mit sich bringt. Manchmal ist frischer Wind genau das, was ein festgefahrenes System braucht.

Leserbrief veröffentlich im Juli 2026 im Main-Echo.