Ich erinnere mich an Tage, da machte die Frohsinnstraße ihrem Namen alle Ehre: lebendig, einladend, voller Charakter. Heute schmerzt jeder Spaziergang. Doch der Verfall ist kein lokales Versagen, sondern Teil eines größeren Wandels. Ein Blick auf die Zeil in Frankfurt am Main zeigt, wie selbst einstige Vorzeigemeilen an Glanz verlieren, Traditionsgeschäfte verschwinden und Leerstand zunimmt.

Der Onlinehandel hat gesiegt; Bequemlichkeit zieht Kaufkraft aus den Innenstädten. Mehr Grün, Events oder niedrigere Mieten lindern Symptome, lösen aber nicht das Kernproblem: ein verändertes Konsumverhalten. Runde Tische, Konzepte, Förderprogramme – vieles wurde versucht, oft mit ernüchterndem Ergebnis. Es fehlt nicht an Ideen, sondern an realistischen Perspektiven.

Vielleicht ist es klüger, die Kräfte dort zu bündeln, wo noch Frequenz und Zukunftschancen bestehen: in der Herstallstraße und in der City Galerie Aschaffenburg. Diese Orte haben weiterhin Strahlkraft und Entwicklungspotenzial.

Die Frohsinnstraße muss sich wandeln dürfen: ein gemischtes Quartier mit Arztpraxen, Wohnungen und Dienstleistungen wäre kein Scheitern, sondern ein mutiger Neuanfang. Weniger Sentimentalität, mehr Pragmatismus – nur so entstehen aus Verlusten neue Perspektiven.

Leserbrief veröffentlicht im Main Echo am 23.02.2026.